Foodfachzeitung im Internet
Freitag, 13. Dezember 2019
Tipp
08.12.2019
Hausgemachte Dipsaucen für Fondue Chinoise

Einfache und gelingsichere Rezepte für bekömmliche Chinoise-Saucen auf Sauerrahm- statt Mayonnaise-Basis.
News, Tipps, …
Druckansicht25.10.2018
KOMMENTAR: (Ver)kaufsmotive für Insektenprodukte

Brauchen wir Insektenprodukte? Das ist die falsche Frage. Dann müssten wir uns auch fragen ob wir Schnecken und Froschschenkel brauchen, oder Crevetten, Ananas und alle andern exotischen Produkte. Die richtige Frage lautet: welchen Vorteil bieten sie den Grossverteilern, Gastronomen und den Konsumenten hinsichtlich Kulinarik, Ernährung, Nachhaltigkeit, wirtschaftlichen und emotionalen Faktoren. Hierzu gehören Lifestyle und Neugier, worüber man nur spekulieren kann aber diese sind wohl derzeit die wichtigsten Kaufmotive. Lifestyle ist DER Megatrend, man denke an die vielen Konsumenten, die (teure) allergenfreie Produkte kaufen, obwohl sie nur eine selbst diagnostizierte Unverträglichkeit haben. Viele setzen sich in Szene mit dem was sie essen oder nicht essen – Themen, die sich perfekt für abendfüllende Diskussionen eignen.

Zurück zu den Insekten: Lifestyle ist auch deswegen ein prioritäres Kaufmotiv, weil die andern Botschaften mehr versprechen als sie halten. Für Ernährung und Nachhaltigkeit sind Grundnahrungsmittel wichtig, die in nennenswerten Mengen gegessen werden und nicht Randprodukte. Vor allem müssten dann Insekten kritische Lebensmittel ersetzen und nicht zusätzlich konsumiert werden. Gegen Insektenburger aus Insektenprotein spricht zwar nichts ausser der Tatsache, dass unser Proteinkonsum ohnehin zu hoch ist. Ganze Insekten sind jedoch angesichts ihres Chitingehaltes mit Vorsicht zu geniessen analog zu Pilzen – Chitin ist schwer verdaulich.

Wirtschaftliche Vorteile bieten Insektenprodukte den Konsumenten nicht, im Gegenteil: sie sind so teuer, dass man sie fast als Luxus bezeichnen könnte. Anders in der Gastronomie, wo ganze Insekten als Dekors auf dem Teller landen. Dies im Sinn der trendigen Erlebnisgastronomie und Effekthascherei, die bei vielen Gastronomen herrscht. Nach den Alginatperlen und aromatisierten Schäumchen der Molekularküche bieten jetzt die Gliederfüssler einen neuen Kick. Aber Insekten schmecken neutral und punkten nur mit der Zubereitung, der kulinarische Wert ist eher virtuell.

Zu guter Letzt nützen aber Insekten dem Business der Grossverteiler – bei den stolzen Preisen darf man auch dicke Margen vermuten. Die Migros lancierte Mitte Oktober 2018 drei Speiseinsekten als Ganzes, getrocknet und ungewürzt, unter der Marke Mi Bugs (Mehlwürmer, Grillen, Heuschrecken). Sie sind in Portionenbeuteln in vielen Migros-Filialen sowie über www.leshop.ch erhältlich – zu stolzen Preisen. Umgerechnet kosten 100g durchschnittlich 24 Franken. Zum Vergleich: 100g Bündnerfleisch gibt es im Supermarkt ab 10.-. Die Klubschule Migros bietet dazu passend den Kurs «Kochen mit Insekten» an. Und Coop führt ein Jahr nach Zulassung der Insekten lediglich drei Produkte: Burger mit Mehlwurmanteil von 31% und Fleischbällchen mit 24% Mehlwürmern – beide zum Preis von 53.-/kg. Und ein Riegel mit nur 10% Grillen zu 103.-/kg.

Das Konsummagazin K-Tipp schrieb kürzlich einen Kommentar dazu: Die Insektenprodukte von Coop seien – vorsichtig ausgedrückt – eine Enttäuschung. Und weiter: Die Burger und Fleischbällchen sind so penetrant gewürzt, dass vom angeblich «feinen nussigen Aroma» der Mehlwürmer nichts zu spüren ist. Und der Riegel schmeckt vor allem nach Früchten (fast 90% des Produkts).

Warum soll ein Kunde einen derart hohen Preis für Insekten zahlen, wenn er sie weder sehen, spüren noch schmecken kann? Und warum soll er für Produkte, die zu einem grossen Teil aus billigen Zutaten wie Reis, Kichererbsen, Mehl oder Äpfeln bestehen, einen Kilopreis von 53 bis 103 Franken bezahlen? Coop selber spricht von einer «grossen Nachfrage» und zeigt sich «sehr zufrieden mit den Verkäufen». Der K-Tipp gewann in drei Berner Filialen einen anderen Eindruck. Im Ryfflihof lagen Insektenlebensmittel, die schon seit ein paar Tagen abgelaufen waren ( siehe K-Tipp 11/2018).

Coop wird die Insektenprodukte nur im Sortiment belassen oder ausbauen, wenn es sich lohnt. Derzeit scheint es sich zu lohnen trotz Abschreibern und trotz der Tatsache, dass sich Vegetarier – immer auf der Suche nach Proteinen – nicht angesprochen fühlen. Wenn Neugier und Lifestyle dominieren, sind die Verkaufszahlen kaum nachhaltig. Trendprodukte kommen und gehen. Vielleicht stehen bald Algenproteinprodukte in den Startlöchern, die ebenfalls geschmacksneutral sowier nachhaltig sind und auch Veganer ansprechen. (GB)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
12.12.2019
dKOMMENTAR: Sind Low-carb / High-fat-Diäten sinnvoll?
11.12.2019
dSAISON: Ceylon-Zimt oder Cassia-Zimt?
10.12.2019
dTIPP: Ofengaren auch für Gemüse
09.12.2019
dNEWS: Café crème wird günstiger
05.12.2019
dNEWS: Schweizer Biermarkt wächst - Bierimage wandelt sich
04.12.2019dNEWS: Bundesrat gegen strengere Brot-Deklaration
03.12.2019dGRATULATION: offiziell beste Bioprodukte 2019
02.12.2019dGrosses Sterben der kleinen Metzgereien, Bäckereien, Beizen und Bauernhöfe
28.11.2019dFORSCHUNG: über gute, schlechte und neue Kohlenhydrate
27.11.2019dMacht Kaloriendeklaration bei Speisen im Restaurant Sinn?
26.11.2019dKOMMENTAR: Gesunde und nachhaltige Ernährung kombinieren
25.11.2019dTIPPS zum Kühlhalten und Tiefkühlen
21.11.2019dSAISON: Who is who bei den Nüssen
20.11.2019dTIPP: Food Waste vermeiden schont Umwelt und Portemonnaie
19.11.2019dNEWS: Die offiziell besten Milchtechologen/innen 2019
18.11.2019dTIPP: «Frei von»-Lebensmittel sind für Gesunde ungeeignet
14.11.2019dNEWS: Die offiziell besten Pannettone-Bäcker 2019
13.11.2019dNestlé setzt auf personalisierte Lebensmittel
12.11.2019dNEWS: Schweizer Zucker in Not
11.11.2019dNEWS: Neue Foodmesse in Bern: FOOD EXPO 29.11.-1.12
06.11.2019dNEWS: Schweiz brilliert an World Cheese Awards 2019
05.11.2019dNEWS: Die Besten der Schweizer Weinbranche 2019
04.11.2019dKonsumenten missverstehen «mindestens haltbar» zu oft
31.10.2019dFoodtrends Report 2019: Neuerfindung unseres Essens
30.10.2019dTIPP: Delikatessenmesse Goûts & Terroirs 2019 in Bulle
29.10.2019dTIPP: Gastland Mexiko an Basler Feinmesse 2019
28.10.2019dNEWS: Die besten Jungmetzger 2019 gekürt
24.10.2019dTIPP: Expovina, Zürcher Weinmesse startet 31.10.2019
22.10.2019dGDI-Studie Food loss: Wohin unser Essen verschwindet
21.10.2019dTIPP: Käsefest in Appenzell 26.+27.10. 2019
Ecke für Profis
07.12.2019
.CONFISERIE: Caramelprodukte im Trend

Caramel ist eine der weltweit erfolgreichsten Geschmacksrichtungen – nicht nur für Süsswaren. Die Herstellung ist auch im Haushalt möglich. In der Schweiz liegen Produkte mit Caramel im Trend.
Navigations-Tipp:
Für die Smartphone-Ansicht klicken Sie auf Druckansicht.



Surf-Tipps

foodaktuell.ch
Internetmagazin für die Lebensmittelbranche

Metzgereizeitung foodaktuell (Print-Journal)
www.mpv.ch > foodaktuell



©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland