Foodfachzeitung im Internet
Samstag, 19. Oktober 2019
Tipp
03.10.2019
ISM feiert 50 Jahre. Vorschau auf Messe 2020

Die internationale Süsswarenmesse ISM 2020 zeigt 2.-5. Febr. 2020 in Köln Neuheiten und Trendthemen der Zukunft.
News, Tipps, …
Druckansicht29.07.2019
Superfoods wissenschaftlich betrachtet

Der Begriff „Superfood“ ist in den Medien zu einem Modewort geworden. Eine fachliche Definition des Begriffs existiert nicht, und obwohl wissenschaftliche Studien oft positive gesundheitliche Wirkungen ergeben, lassen sich die Resultate nicht unbedingt auf die reale Ernährung übertragen.

Die Wissenschaft hat gezeigt, dass bestimmte Bestandteile in Lebensmitteln und Getränken womöglich besonders gut für die Gesundheit sind. Dies spiegelt sich auch in der Existenz genehmigter gesundheitsbezogener Angaben (health claims) wider; deren wissenschaftliche Basis hält die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit für ausreichend überzeugend. Gleichzeitig ist es unrealistisch zu erwarten, dass eine kleine Angebotspalette so genannter „Superfoods“ unser Wohlbefinden signifikant steigert. Bei der Betrachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Superfoods ist die Frage zu berücksichtigen, wie sich diese in echte Ernährungsweisen umsetzen lassen.

Durch die Bezeichnung einiger Lebensmittel als „super“ durch die Medien kann auch der Eindruck entstehen, dass andere Nahrungsmittel weniger gesund seien, obwohl diese meist genauso wertvolle Nährstoffe liefern, wie die in den Superfoods nachgewiesenen. Karotten, Äpfel und Zwiebeln beispielsweise enthalten viele gesundheitsfördernde Nährstoffe, wie etwa Betacarotin, Ballaststoffe und das Flavonoid Quercetin. Vollkornvarianten von stärkehaltigen Nahrungsmitteln wie Brot, Reis und Nudeln sind ebenfalls reich an Ballaststoffen. Erwachsene sollten mindestens 25 g Ballaststoffe täglich zu sich nehmen.

Diese Lebensmittel haben oft den zusätzlichen Vorteil, dass sie billig und weithin verfügbar sind. Daher können wir sie in hinreichenden Mengen und regelmässig verzehren und somit von ihrem Nährstoffgehalt profitieren. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Europäer nicht genügend Obst und Gemüse essen und die Ernährungsempfehlungen somit nicht erfüllen, würde ein höherer täglicher Verzehr verschiedener Obst- und Gemüsesorten das allgemeine Wohlbefinden erheblich steigern. Ein abwechslungsreicher Speiseplan, der aus nahrhaften Lebensmitteln und viel Obst und Gemüse besteht, ist immer noch die bestmögliche Art, eine ausgewogene Nährstoffaufnahme für optimale Gesundheit sicherzustellen.

Der Ursprung der Superfoods

Superfoods sind sehr populär. Die Medien quellen über mit Meldungen über ultragesunde Nahrungsmittel, von Heidelbeeren über Rote Bete bis hin zu Kakao und Lachs. Diese Berichte geben meist vor, die jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnisse widerzuspiegeln und versichern uns, dass der Verzehr dieser Nahrungsmittel dem Körper den Gesundheitskick verleihe, den er zur Abwehr von Krankheiten und des Alterungsprozesses brauche. Kann man diesen Berichten Glauben schenken?

Trotz der Allgegenwart in den Medien gibt es keine offizielle oder rechtlich bindende Definition für den Begriff „Superfood“. Im Allgemeinen bezieht sich der Begriff Superfood auf Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben.

Wie ist die Beweislage?

Um Tatsachen und Medienrummel zu unterscheiden, ist es wichtig, die wissenschaftlichen Erkenntnisse hinter den Medienberichten über Superfoods sorgfältig zu betrachten. Zu den beliebteren und bekannteren Superfoods gehören Heidelbeeren; sie sind häufig von Wissenschaftlern mit Interesse an deren gesundheitlichen Eigenschaften untersucht worden. Heidelbeeren zeichnen sich durch eine hohe Konzentration einer bestimmten Gruppe von Antioxidantien, vor allem Anthocyane, aus, die Berichten zufolge das Wachstum krebsartiger Dickdarmzellen beim Menschen hemmen und sie sogar abtöten. Heidelbeeren sind zudem reich an weiteren Antioxidantien, die in Studien an Ratten dem altersbedingten Gedächtnisschwund vorbeugen und ihn umkehren konnten.

Antioxidantien sind Moleküle, die die Körperzellen vor schädlichen freien Radikalen schützen. Freie Radikale stammen z. B. aus Zigarettenrauch und Alkohol, entstehen aber auch auf natürliche Weise beim Stoffwechsel im Körper. Zu viele freie Radikale im Körper können oxidativen Stress auslösen, der wiederum Zellschäden verursacht, die altersbedingte Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzerkrankungen auslösen können.

Weitere Obstsorten, denen der Status eines Superfood zugeschrieben wird, sind die Acai-Beere und der Granatapfel. Das Fruchtfleisch der Acai-Beere hat nachweislich wirksame antioxidative Eigenschaften, wobei ein möglicher gesundheitlicher Nutzen daraus beim Menschen noch zu bestätigen ist. Studien zum Granatapfelsaft haben gezeigt, dass er bei gesunden Personen kurzfristig den Blutdruck senken und den oxidativen Stress vermindern kann. Beides sind signifikante Risikofaktoren für Herzerkrankungen.

Ähnlich wie Granatapfelsaft ist auch die Rote Bete zu einem Superfood erklärt worden, das gut für das Herz ist. Der hohe Nitratgehalt wird vom Körper angeblich in Stickstoffmonoxid umgewandelt, das neben anderen Funktionen nachweislich den Blutdruck senkt und die Tendenz zur Blutgerinnung beim Menschen mindert. Auch Kakao soll angeblich das Risiko von Herzerkrankungen verringern, indem er den Blutdruck senkt und die Elastizität der Blutgefässe erhöht. Dies liegt möglicherweise am hohen Flavonoidgehalt im Kakao. Und schliesslich bringt es der Lachs regelmässig auf die Liste der Superfoods, dank zunehmender Anzeichen dafür, dass die im Lachs und in anderen ölhaltigen Fischen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren Herzproblemen bei Menschen mit hohem kardiovaskulären Risiko vorbeugen können; ausserdem können damit möglicherweise Gelenkschmerzen bei Patienten gelindert werden, die unter Gelenkrheumatismus leiden.

Bei genauerer Betrachtung

Tatsächlich haben die Nährstoffe dieser Nahrungsmittel nachweislich bestimmte gesundheitsfördernde Eigenschaften. Bei genauerer Betrachtung werden jedoch die Schwierigkeiten deutlich, die beim Anwenden der Ergebnisse solcher Studien auf die tägliche Ernährung entstehen. Dies liegt daran, dass die Bedingungen, unter denen Nahrungsmittel im Labor untersucht werden, sich zumeist erheblich von der Art unterscheiden, wie Menschen diese Lebensmittel im täglichen Leben verzehren.

Ein wesentliches Forschungsmerkmal ist, dass tendenziell sehr grosse Mengen an Nährstoffen verwendet werden. Im Kontext einer normalen Ernährungsweise werden diese in der Regel nicht erreicht. Hinzu kommt, dass die physiologische Wirkung von vielen dieser Nahrungsmittel meist nur für einen kurzen Zeitraum vorhält. Das heisst, sie müssten häufig verzehrt werden, damit ihr gesundheitlicher Nutzen spürbar wird. Dies kann bei bestimmten Nahrungsmitteln kontraproduktiv sein: der regelmässige Konsum von Kakao in Form von Schokolade beispielsweise würde nicht nur die Aufnahme der gesundheitsfördernden Flavonoide steigern, sondern auch die weiterer Nährstoffe, von denen empfohlen wird, weniger zu sich zu nehmen.

Bei der Auswertung der Studien dürfte allerdings noch stärker ins Gewicht fallen, dass bei vielen Arbeiten Tiere, wie etwa Ratten, als Bezugsmodelle genommen werden, oder dass In-Vitro-Experimente mit isolierten Kulturen menschlicher Zellen durchgeführt werden. Anhand solcher Forschungsarbeiten erhalten Wissenschaftler zwar eine Vorstellung von den Gesundheitseigenschaften und physiologischen Mechanismen bestimmter Bestandteile von Nahrungsmitteln. Es besteht aber keine Garantie, dass diese Bestandteile beim Menschen nach dem Verzehr dieselben Wirkungen erzielen.

Das Untersuchen der Wirkungen im Menschen ist eine komplexe Aufgabe: Ernährungsweise, Gene und Lebensstil unterscheiden sich von Mensch zu Mensch; dies erschwert die Analyse der Auswirkungen von Nährstoffen auf die Gesundheit. Dementsprechend ist beim Erforschen der Einflüsse auf den Menschen ein anderer Ansatz zugrunde zu legen als bei Studien an Zellkulturen oder Tieren. Im Idealfall finden sowohl Interventionsstudien (bei denen die Forscher die Ernährung manipulieren, um die Wirkung eines Nahrungsmittels oder Nährstoffs zu ermitteln) als auch Observationsstudien (bei denen die Auswirkungen natürlicher Unterschiede in der Ernährung von Menschen beobachtet werden) Berücksichtigung.

Ein letzter zu bedenkender Aspekt bei der Betrachtung von Studien zur „Heilsamkeit“ von Lebensmitteln ist, dass viele Forscher Nahrungsmittel isoliert voneinander untersuchen. Da der Mensch in der Regel verschiedene Lebensmittel in Kombination zu sich nimmt, spiegelt das Herausnehmen eines einzelnen für die Analyse nicht den realen menschlichen Verzehr wider. Darüber hinaus gibt es Belege dafür, dass die gleichzeitige Aufnahme verschiedener Lebensmittel die Fähigkeit des Körpers steigert, Nährstoffe zu absorbieren. Beispielsweise wird das in Karotten und Spinat enthaltene Betacarotin leichter aufgenommen, wenn es zusammen mit Fett, etwa im Salatdressing, verzehrt wird. Dies belegt die Vorteile, die eine abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung im Vergleich zum Verzehr von lediglich einem oder einer Handvoll von Superfoods hat.

Fazit: Um eine ausgewogene Nährstoffaufnahme sicherzustellen, müssen wir uns vielfältiger ernähren, anstatt uns lediglich auf eine Handvoll angeblicher Superfoods zu konzentrieren. Insbesondere gehört hierzu der Verzehr einer grösseren Menge und Vielfalt an Obst und Gemüse. (eufic)
(gb)

News, Tipps, … – die neuesten Beiträge
17.10.2019
dKOMMENTAR: Hype um Stangensellerie als Superfood-Smoothie
16.10.2019
dKOMMENTAR: Droht ein Restaurant-Sterben?
15.10.2019
dZiegenzüchter wollen Jungziegenfleisch promoten
13.10.2019
dNEWS: Die besten Alpkäse der Schweiz 2019
10.10.2019
dTAGUNGSTIPP: Fleisch – eine Frage der Haltung
09.10.2019dTIPP: Käsefest in Luzern 19.10.2019
08.10.2019dFoodwaste erhöht Treibhausgas-Emissionen
07.10.2019dKURSTIPP: Zubereitung von speziellen Fleisch-Zuschnitten
03.10.2019dTREND: Zwei Drittel des Wildes sind importiert
02.10.2019dTIPP: Käsefest in Thun Samstag, 12.10. 2019
01.10.2019dNEWS: Mukoma Euloge Malonga ist offiziell bester Koch der Schweiz
30.09.2019dNEWS: Berner Zungenwurst ist geschützt
26.09.2019dMit Grüntee Antibiotikaresistenz bekämpfen
25.09.2019dTIPP: Olma St.Gallen 10. bis 20. Oktober 2019
24.09.2019dKOMMENTAR: Kritik am Bundesrat beim Tierschutz
23.09.2019dTIPP: Gastro-Fachmesse Igeho 2019 mit Trends und Neuheiten
18.09.2019dTIPP: Wildfleisch ist natürlich, nachhaltig und delikat
17.09.2019dTREND: Junge Restaurantbesucher sind anspruchsvoll
15.09.2019dNEWS: Reto Kaiser ist Schweizer Grill-Champion 2019
12.09.2019dNEWS: Schweizer Konsumenten lehnen Zuckersteuer ab
11.09.2019dKOMMENTAR: Der wahre Sinn der Regionalprodukte
10.09.2019dTIPPS: Backen im Blumentopf? Nicht jedes Material ist lebensmittelecht
09.09.2019dTIPPS: Früchte einkochen im Topf, Ofen oder Mikrowelle
05.09.2019dTIPP: Grill-Wettkampf / Beef-Weidfest, Basel 15.9.2019
04.09.2019dGastroSuisse kürt «die besten Lehrmeister 2019»
03.09.2019dRÜCKBLICK: Metzger-Meisterschaft im Ausbeinen 2019
02.09.2019dNEWS: Verpflichtung zur Zucker- und Salz-Reduktion
29.08.2019dTREND: Plastik-Verpackungen ersetzen
28.08.2019dSAISON: Jetzt Pfifferlinge auf den Teller
27.08.2019dKOMMENTAR: Reaktionen auf das Schweiz-Mercosur-Abkommen
Ecke für Profis
19.10.2019
.METZGEREI: Ernst Sutter und Micarna sind offiziell beste Schweizer Metzgereien

Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF hat erneut die besten Schweizer Fleischerzeugnisse ermittelt und prämiert. An der Olma fand die Siegerehrung statt. Viele Sieger sind Dèja-vus.
Navigations-Tipp:
Für die Smartphone-Ansicht klicken Sie auf Druckansicht.



Surf-Tipps

foodaktuell.ch
Internetmagazin für die Lebensmittelbranche

Metzgereizeitung foodaktuell (Print-Journal)
www.mpv.ch > foodaktuell



©opyrights ...by ask, ralph kradolfer, switzerland