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Dienstag, 31. März 2020
Tipp
29.01.2020
Messetipp: Südback 2020 mit Innovationen und Inspirationen

Südback-Fachmesse vom 17.-20. Oktober 2020 in Stuttgart mit einzigartigem Konzept am Puls der Zeit
Ecke für Profis
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.METZGEREI: Schweine kosten gleich viel wie vor 50 Jahren
Familie Schweizer gibt heute durchschnittlich weniger als 10% des Einkommens für Nahrungsmittel aus. Vor 50 Jahren waren es noch über 30%. Und dies trotz stetig gestiegener Konsumentenpreise. Aber in der Produktion verlief die Entwicklung anders.


Metzgereien können Schlachtschweine heute zum gleichen Preis wie vor 50 Jahren kaufen.


Schweizer Landwirte haben volatilere und insgesamt tiefere Preisanstiege erfahren als der Konsument. Über die gesamte landwirtschaftliche Erzeugung liegen die aktuellen Preise (Januar bis Juli) rund 21 % über dem Preisniveau von vor 50 Jahren. Jedoch gab es in den 1980er-Jahren eine deutliche Hochpreisphase, wie in der untenstehenden Grafik zu entnehmen ist. Der Grenzschutz, die staatliche Preisstützung und eine hohe Nachfrage wirkten sich in diesem Zeitraum positiv auf die Produzentenpreise aus und sorgten für einen durchschnittlichen Preisanstieg von bis 60 % gegenüber 1969. Mit der Liberalisierung des Welthandels – insbesondere auch im Agrarbereich – und den einsetzenden Reformen in der Agrarpolitik kamen inländische Produzentenpreise stärker unter Druck.

Der Preisverlauf zeigt auch, wie stark aussergewöhnliche Ereignisse die Preise im Fleischmarkt negativ beeinflussen. Die BSE-Krise im Rindfleischmarkt in den 1990er-Jahren wirkte sich massgeblich auf die Markt- und Preisentwicklung für Schlachtrinder und -kälber aus. Bankviehpreise etwa sanken zwischen 1994 und 1996 um 60 % auf das Niveau von 1969. Mittlerweile liegen die Preise wieder einen Drittel über dem Preisniveau von vor 50 Jahren. Während sich die Produzentenpreise für Rindfleisch seit der Jahrtausendwende erholen, zeigen die Preise für Schweine und Geflügel einen sinkenden Trend. Im laufenden Jahr 2019 erzielen Geflügel- und Schweinehalter gleich hohe bis leicht tiefere Preise im Vergleich zu 1969.

Nahrungsmittel kosten den Konsumenten drei Mal mehr

Im Gegensatz zur Produktion haben die Preise für Konsumgüter und Nahrungsmittel in den vergangenen 50 Jahren eine deutliche Steigerung erfahren. Dies lässt sich an der Entwicklung des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) ablesen. Insgesamt stiegen die Konsumgüterpreise bis 2019 (Januar bis Juli) um den Faktor 3.09, die Nahrungsmittelpreise um den Faktor 2.79. Bei Fleisch und Fisch war die Entwicklung ebenfalls steigend, allerdings mit grossen Unterschieden zwischen den verschiedenen Teilkategorien.

Ähnlich wie auf Produzentenstufe verzeichneten Rind- (Faktor 2.95) und Kalbfleisch (3.61) auch bei den Konsumentenpreisen stärkere Preisanstiege verglichen mit Schweine- (2.18) und Geflügelfleisch (2.13). Vergleichbar verlief die Preisentwicklung für Wurstwaren, welche zu grossen Teilen aus Schweinefleisch hergestellt sind (2.20). Während Schweinefleischpreise aufgrund der sinkenden Nachfrage unter Druck geraten, wirkt sich beim Geflügel der hohe Importanteil entsprechend auf die Preisentwicklung aus. Wie sich die Produktdifferenzierung nach oben – durch die Etablierung von Labelprodukten – respektive nach unten – durch die Einführung von Discountmarken – auf die Preisentwicklung ausgewirkt hat, lässt sich in dieser Analyse nicht quantitativ abschätzen.

Der Durchschnittslohn stieg um das Fünffache

Den deutlichsten Anstieg der vergangenen 50 Jahre erfuhren die Haushaltseinkommen. Der durchschnittliche Nominallohn war im Jahr 2018 fünfmal höher als 1969. Bereinigt um die Inflationsrate (LIK) stieg das Lohnniveau real um 60 %. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Haushalte ihre Budgets anders aufteilen können. Über die vergangenen Jahrzehnte haben sich darum die Konsumgüterausgaben (abzüglich obligatorische Transferausgaben wie Steuern oder Krankenkasse) stark gewandelt. Ausgaben für Mobilität, Telekommunikation oder Ferien haben deutlich an Bedeutung gewonnen, wohingegen die Haushalte deutlich weniger für Lebensmittel ausgeben.


Schweizer Haushalte geben anteilsmässig immer weniger Geld für Lebensmittel aus


Wurden Ausgaben für Nahrungsmittel vor 50 Jahren auf fast einen Drittel der gesamten Konsumausgaben geschätzt, sind es heute weniger als 10 %. Die Entwicklung der Haushaltausgaben für Nahrungsmittel und des Einkommens folgt damit dem Engel’schen Gesetz, nach welchem mit steigendem Einkommen der Haushalte der Ausgabenanteil für Nahrungsmittel sinkt. Die Bedeutung von Fleisch als fester Bestandteil des Nahrungsmittelwarenkorbs bleibt aber ungebrochen. Zwar ist der Ausgabenanteil seit der Jahrtausendwende tendenziell sinkend, liegt aber mit 23,3 % weiterhin über dem Niveau von vor 50 Jahren. Zugenommen haben die Ausgabenanteile für Fisch und Meeresfrüchte.

Klare Tendenzen gibt es auch innerhalb der Kategorie Fleisch. Die Ausgabenanteile von frischem Schweinefleisch haben sich von 24,0 % vor 50 Jahren auf heute rund 12 % halbiert. Wurstwaren und frisches Rindfleisch haben ebenfalls an Bedeutung verloren. Umgekehrt verlief die Entwicklung von Geflügel, dessen Anteil sich nahezu verdreifacht hat und heute 15,7 % ausmacht. Die Ausgabenanteile für Fleischwaren inkl. Fleischzubereitungen wie z.B. Trockenfleisch und Schinken erreichen mittlerweile einen Viertel der Fleischausgaben.

Fazit: Insgesamt sind die Haushaltseinkommen deutlich gestiegen, im Vergleich dazu sind die Konsumentenpreise weniger gestiegen, was es den Haushalten erlaubt, ihre Budgets anders einzusetzen. Damit hat die Bedeutung der Lebensmittel an den Gesamtausgaben abgenommen. Im Gegensatz dazu haben die Produzentenpreise vergleichsweise fast keine Steigerung erlebt. Es ist anzunehmen, dass die Preis- und Wertsteigerungen für Lebensmittel vor allem in der Veredelungsindustrie und in der Vermarktung beim Endverbraucher stattgefunden haben. (BLW)
(gb)

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