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Sinkender Einkaufstourismus beim Fleisch
Im 2015 hat der grenznahe Einkaufstourismus an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile geht das Interesse an Auslandeinkäufen bei Fleisch wieder zurück. Der sinkende Trend aus dem Vorjahr setzt sich fort.


Im Ausland wird am liebsten Kalbfleisch gekauft (Quelle: Nielsen)


Im 2018 wurde erstmals das Verhältnis des Schweizer Einkaufstourismus an den gesamten Einkäufen anhand des Konsumentenpanels von Nielsen ausgewertet Gemäss dieser Analyse wurde im Jahr 2017 mit 3.7% der Höchstwert der Anteile der Fleischeinkäufe erreicht, welcher ein durchschnittlicher Haushalt im Ausland getätigt hat. Seither kaufen Schweizer wieder vergleichsweise häufiger Fleisch im Inland ein. Im ersten Halbjahr 2019 wurden 3,1 % der Fleischeinkäufe im Ausland getätigt (vs. 3,4 % ggü. Vorjahr). Gleichzeitig ist der Wechselkurs gesunken. Im ersten Halbjahr 2018 kostete ein Euro 1.17 CHF, ein Jahr später 1.13 CHF. Dies hat sich in Form von tieferen Preisen für Einkaufstouristen bemerkbar gemacht.

Frischfleisch bleibt Leader

Sowohl bei Frischfleisch als auch bei verarbeiteten Fleischwaren sind die Auslandeinkäufe anteilsmässig gesunken. Von 100 Kilogramm im Detailhandel gekauftem Frischfleisch haben Schweizer Haushalte 4 Kilogramm im Ausland nachgefragt. Bei Charcuterieprodukten sind es deutlich weniger. Bei 100 Kilogramm entfallen gerade rund 1.6 Kilogramm auf Auslandeinkäufe. Der Rückgang der Auslandeinkäufe ist mit -0,8 Prozentpunkte seit dem 1. Halbjahr 2017 auf aktuell 1,6% im ersten Halbjahr 2019 bei Charcuterie zudem stärker als bei Frischfleisch, wo der Anteil um 0,6 Prozentpunkte auf 4,0 % sank.

Im ersten Halbjahr 2019 bezahlten die Haushalte um einen Drittel tiefere Preise für im Ausland eingekaufte Fleischprodukte im Vergleich zu den Preisen für im Inland einkaufte Fleischprodukte. Die durchschnittlichen Kosten bei Auslandeinkäufen im Verhältnis zu den Inlandpreisen sind bei Frischfleisch leicht rückläufig seit 2018, liegen allerdings über dem Niveau vom ersten Halbjahr 2017.

Stetiger Rückgang bei frischem Schweinefleisch

Innerhalb der Produktkategorie Frischfleisch weist Kalbfleisch mit einem Anteil von 7.5 % den höchsten Anteil Auslandeinkäufe auf (Nischentiergattungen wie Ente oder Kaninchen nicht mitberücksichtigt). Mengenmässig ist Kalbfleisch jedoch vergleichsweise unbedeutend. Im Ausland werden vorwiegend Schweine- und Rindfleisch nachgefragt. Der Anteil der Auslandeinkäufe bei frischem Schweinefleisch ist in den vergangenen drei Jahren jedoch stetig auf aktuell 5,0 % zurückgegangen was auf kontinuierliche Rückgänge bei den Einkäufen der beliebten Stücke Filet, Plätzli und Braten zurückzuführen ist.


Im Ausland werden andere Fleisch-/Wurstwaren-Sorten verkauft als in der Schweiz.


Beim Rind wurden ebenfalls weniger Edelstücke im Ausland eingekauft im Verhältnis zu den Inlandeinkäufen. Leicht gestiegen auf aktuell 2,8 % sind die Auslandeinkäufe beim Pouletfleisch, massgeblich durch die gestiegenen Einkäufe von Brust und Nuggets. Interessanterweise kosten Nuggets im Ausland allerdings fast gleich viel wie in der Schweiz. Das erklärt sich damit, dass in der Schweiz angebotene Nuggets meistens aus Importfleisch bestehen und gefroren abgesetzt werden.

Preisdifferenz CH-Ausland bei beliebten Fleischwaren gesunken

Im Gegensatz zu Frischfleisch liegt der Mengenanteil der Auslandeinkäufe bei verarbeiteten Fleischwaren auf deutlich tieferem Niveau. Dies lässt sich damit erklären, dass verarbeitete Fleischwaren inländischer Herkunft in der Schweiz kulturell und regional oft eine höhere Bedeutung als Frischfleisch haben (z.B. Terrinen und Saucisson in der Westschweiz und der Cervelat in der Deutschschweiz). Solche Spezialitäten sind zudem im Ausland kaum verfügbar (z.B. Cervelat). Am liebsten werden im Ausland Salami, (Roh)Schinken und Aufschnitt eingekauft. Hier wurden in den vergangenen zwei Jahren steigende Preisanteile festgestellt. Dies bedeutet, dass die im Ausland bezahlten Preise für diese Produkte (umgerechnet mit dem Wechselkurs) im Vergleich zu den Schweizer Produkten teurer geworden sind.

Verschiedene Faktoren beeinflussen Einkaufstourismus

Es gibt diverse Gründe, warum die Schweizer Wohnbevölkerung im grenznahen Ausland einkauft: Das Preisniveau ist im Ausland im Vergleich zu Schweizer Produkten vielfach tiefer. Die ausländische Mehrwertsteuer lässt sich rückerstatten, wodurch die Einkäufe weiter verbilligt werden. Das Einkaufsangebot unterscheidet sich teilweise vom Sortiment in der Schweiz. Zudem sind die Fahrtwege zu ausländischen Einkaufstätten für Bewohner in grenznahen Regionen vergleichsweise kurz. Die Medienpräsenz des Einkaufstourismus sowie die Wechselkursentwicklung beeinflussen das Einkaufsverhalten Schweizer Haushalte zusätzlich.

Mit steigender Anzahl von Schweizerinnen und Schweizern, die im Ausland ihre Einkäufe tätigen, verstärken sich diverse Probleme: mehr Stau und Wartezeit an der Grenze und bei der Zollabfertigung (für die Mehrwertsteuerrückerstattung), weniger freie Parkplätze und längere Warteschlangen in den Geschäften. Es ist anzunehmen, dass diese Entwicklungen auch die Attraktivität des Einkaufs im Ausland insbesondere für Haushalte mit längeren Anfahrtswegen beeinflussen. Wie sich der Einkaufstourismus mit dem seit Mai 2019 sinkenden Wechselkurs Euro - Schweizer Franken entwickeln wird, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden.

Der Einkaufstourismus unterliegt gesetzlichen Bestimmungen. Pro Person und Tag dürfen zollfrei maximal ein Kilogramm Fleisch (frisch oder verarbeitet) eingeführt werden. Höhere Mengen werden entsprechend verzollt und besteuert. Waren mit einem Gesamtwert von über CHF 300.- pro Person und Tag müssen zwingend mehrwertbesteuert werden. Damit sollen Anreize für den Einkauf im grenznahen Ausland verringert werden. (BLW)

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(gb)

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