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Mittwoch, 19. September 2018
Tipp
25.07.2018
Buchtipp: «Geschichten und Gekochtes»

Ein «Tanz mit der Gastronomie» vom früheren Spitzenkoch Herbert Huber
Report
Druckansicht05.07.2018
Grosser Erfolg für Bio Marché 2018
Die grösste Schweizer Bio-Messe "Bio Marché" hat Zofingen vom 22. bis 24. Juni bei idealem Marktwetter wiederum in ein einzigartiges Bio-Paradies verwandelt. Fotoreportage.


Die Altstadt von Zofingen ist ideal für einen Open-air-Event


Bei sonnigem aber nicht heissem Wetter entdeckten rund 40000 Besucher Bioprodukte aus aller Welt am 19. Bio Marché in Zofingen. Der Publikumsmarkt war auch ein Openair-Fest – mit Gratiseintritt notabene. Die schmucke Altstadt von Zofingen wurde ihrem Ruf als "Schweizer Bio-Hauptstadt" wieder gerecht. Die Besucher konnten Spezialitäten degustieren, einkaufen, sich an mehreren Biomarché-Festwirtschaften und (Nicht-Bio-)Stadtrestaurants verpflegen und unterhalten lassen. Bei den rund 200 Ausstellern aus dem In- und Ausland gab es viele Tausend Köstlichkeiten zu probieren und entdecken und ausserdem Nonfoodprodukte von Naturkosmetik über Textilwaren bis zu Möbeln.


Die Festwirtschaft des Biocaterers Biberevents



Vom Biberevents-Holzfeuergrill: Rindsniere, Rindsherz, Morcilla (Blutwurst), Beef second cut auf argentinische Art. Alles in Demeter-Bioqualität vom Silberdistel-Hof.


Im Vergleich zu früheren Messen fiel auf, dass immer mehr Stände einen marketingmässig professionellen Auftritt hatten und geschulte Verkäufer ihren Dienst verrichteten im Gegensatz zu den früher vorherrschenden Inhaber-geführten Handwerksbetrieben und Bauern mit Hofprodukten. «Die Zahl der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe und Startup-Unternehmen ist seit Jahren konstant, d.h. rund 1/5 aller Teilnehmer oder gut 1/3 der Marktstände», sagt Messechefin Dorothee Stich. «Hier stehen naturgemäss die Produzenten resp. Gründer/Inhaber selbst hinter dem Stand».

Spannende Angaben zur Herstellweise

Die Chefs der Handwerksbetriebe sind immer interessante Gesprächspartner. So etwa Familie Meier von der Biobäckerei Meier aus dem Münstertal, die Marronikuchen als Edelkonserve herstellt. Der saftige Kuchen im Weckglas schmeckt intensiv nach Marroni und hat eine monatelange Haltbarkeit. Man erfährt, dass er ohne Deckel gebacken wird, wobei er über den Rand aufgeht und beim Abkühlen wieder etwas schrumpft. Nachher wird er mit Deckel sterilisiert.


Marronikuchen im Weckglas von der Biobäckerei Meier


Oder Cäsar Bürgi, Chef des Silberdistel-Demeterhofs mit eigener Schlachtung und Verarbeitung. Der Bauer und Metzger erhielt die Bewilligung für Hofschlachtungen nach seiner neuen Methode: das Tier wird im Stall fixiert, mit Bolzenschuss betäubt, in einem Anhänger direkt vor dem Stall entblutet und innert 20 min (vorgeschrieben seien max 45 min) im nahen Schlachthaus geschlachtet. Demnächst startet Bürgi mit diesem Tierwohl-optimierten Vorgehen, das dem Tier keinen Transportstress zumutet, und dennoch die Schlachthygiene respektiert.

Trend zu Professionalität

«Auch kleine Unternehmen werden von Jahr zu Jahr professioneller», so Stich. «Aber auch bei den übrigen Ständen sind mehrheitlich die Produzenten oder Inhaber selbst am Stand. Viele Aussteller kommen aber heute nicht mehr alleine sondern haben personell aufgestockt, damit sie selbst Zeit haben, den Markt zu besuchen, ihr Netzwerk zu pflegen, sich mit Kollegen auszutauschen oder um zu sehen, was Mitbewerber anbieten».


Salami, Käse und Olivenöle in der Italiengasse



Bündner Biobergkäse am Alpinavera-Gemeinschaftstand


Der Anteil an Haushalt-, Lifestyleprodukte- und Dienstleistungsanbietern (zB Biohotels) sei konstant geblieben. «Aber die Professionalität beim Verpackungsdesign und den Werbemitteln verbesserte sich», so Stich. Ob landwirtschaftlicher Kleinbetrieb oder international tätiger Grossbetrieb, Produzent, Verarbeiter oder Händler, ob Food, Nonfood oder Information und Beratung: Am Bio Marché sind alle willkommen, schreibt der Veranstalter Bio Marché AG auf seiner Website. Voraussetzung ist natürlich eine Biozertifizierung der ausgestellten Produkte.

Auch der neue Hauptsponsor Lidl Schweiz, eher bekannt als Tiefpreis- denn als Biospezialist, zeigte, welche Bio- und Edelprodukte er im Angebot hat. Der Harddiscounter offerierte viele Attraktionen und grillierte Filetsteaks vom Bioweiderind. Die Botschaft hiess wohl: Wir verkaufen nicht nur deutsches Billigpoulet sondern auch edles Schweizer Kalbsfilet. Ein Highlight in der Lidl-Gasse war der Kochshow-Stand von Fernsehkoch René Schudel.


Die frühere Migrosgasse war neu eine Lidlgasse, wo der Discounter zeigte, welche Bioprodukte er im Angebot hat (und sicherlich einige Versuchsballone steigen liess)



Bündner Naturtrocknerei Bischi am Gemeinschaftstand der Alpinavera mit Bündnerfleisch ohne Pökelsalz.


Auch Coop war vertreten als einer der grösseren Aussteller und zum erstenmal dabei im Rahmen des 25 Jahre Naturaplan-Jubiläums. Die Migros dagegen, bis 2016 Hauptsponsor, war nicht nicht dabei. «Wir haben uns für eine Partnerschaft mit Lidl Schweiz entschieden, u.a. dank der Tatsache, dass Lidl mit WWF Schweiz verbindliche Nachhaltigkeitsziele vereinbart hat, deren Einhaltung durch WWF nicht nur kontrolliert sondern auch öffentlich gemacht werden», erklärt Stich.

Einen besonderen Anziehungspunkt bildete der Streichelzoo vom Erlebnishof Hatti auf dem schattigen Chorplatz, wo die Kinder die vielen gutmütigen Ziegen streicheln durften. Auch das Schwein liess sich manchmal Zärtlichkeiten gefallen – es hatte einen Solo-Auftritt. «Mehr Schweine würden zuviel Radau machen», lautete die Begründung der Betreuer. Und eine Besonderheit war der eigens für den Bio Marché mitten in der Altstadt aufgebaute Biogarten. Die vielen Strassenmusiker und Gaukler sowie die abendlichen Konzerte bei der Markthalle liessen mediterrane Ferienstimmung aufkommen. (GB)
(gb)

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