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12.05.2020
Buchtipp: Schweizer Küche

Mit Leseproben: Rezept des Appenzeller Siedwurststrudels sowie Bündnerfleisch mit unwiderstehlichem Aroma
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Silvester-Rezeptideen zum schmunzeln: je extra desto vaganter

Heute gibt es kaum noch unbekannte Zutaten und alle erdenklichen Rezepte kursieren via Internet in der ganzen Welt. Um aufzufallen muss man daher Experimente wagen, vor allem extravagante, ironische und absurde. «Auffallen um jeden Preis» ist heute die Mode in der Werbung. Mariage-Absurditäten und Effekt-Haschereien dominieren in der Foodbranche und vor allem in der Gastronomie.




Noch Potenzial für Effekte gibt es bei den Kombinationen, früher Mariage genannt und heute Food Pairing. Die wichtigste Regel lautet: Erlaubt ist was gefällt. Und wenn etwas nicht gefällt, erhascht man doch immerhin einen Effekt.



Beim Heiraten unterscheidet man zwischen Mariage d’amour und Mariage de raison. Hier eine Liebes-Mariage: Schnecken lieben Basilikum, Franzosen lieben Schnecken. Und das Besondere: Lebende Schnecken sind gut gegen Magengeschwüre.







Touristen lieben Toblerone und Kräuterzucker, aber wirklich begeistern kann man sie mit Cervelats.



Effekte erhaschen kann man auch mit Minis, wobei diese schon wieder aus der Mode gekommen sind. Der nächste Trend heisst Gigantismus.



Der Food der Zukunft kommt aus dem 3D-Drucker. Schon bald kann man sich im Migrosrestaurant eine Margherita drucken lassen. Und Hewlett Packard forscht intensiv am multifunktionellen Drucker für Büro UND Küche. Beim Tintenstrahldrucker kann man einfach Tomatensauce statt Tinte einfüllen. Beim Laserdrucker muss man ein Update installieren.




Die Molekularköche der ersten Stunde waren Perfektionisten der Effekthascherei. Heute seien sie seriöser geworden, sagen sie von sich selber. Aber Flüssig-Stickstoff zum Apero ist immer noch cool. Dafür serviere man zum Hauptgang ein Steak vom 1000 Grad-Grill. Oder eine Bratwurst vom Popcorn-Popper.




Ein Megatrend ist der Veganismus. Man munkelt, dass überzeugte Veganer Gras nicht nur essen sondern auch verdauen können – ohne wiederkäuen.



Nashörner werden gejagt, weil viele Afrikaner und Asiaten glauben, dass das pulverisierte Horn eine potenzsteigernde Wirkung hat. Sie sind aber geschützt. Mischen Sie daher einfach Kuhhorn-Pulver in den beliebten «Sex on the Beach»-Cocktail. Kein Gast wird nachher wegen mangelnder Potenz reklamieren. Beeilen Sie sich aber mit der Rohstoffbeschaffung: es gibt heutzutage nicht mehr viele Kühe mit Hörnern.





Auch Aphrodisiaka erleben einen Boom. Viele Lebensmittel gelten als aphrodisierend: Austern, Ingwer, Kakao, Spargeln, Ginseng und vor allem Chili dank seinem Scharfstoff Capsaicin: Was scharf ist, das macht auch scharf. Wer öffentlich eine Chilischote knabbert, signalisiert: ich brauche einen Orgasmus (das ist ein Name für einen trendigen Cocktail). Servieren Sie also Orgasmen mit all diesen Zutaten und dem Werbespruch: Dieser Cocktail vor dem Tanz hebt die Stimmung und den Schwung.



Ein starker Trend ist Beautyfood: Lebensmittel, die schön machen. Das beste Beispiel ist Aloe Vera. Dass man den Kaktussaft einreiben und nicht essen muss, ging bei den Joghurt- und Getränkeherstellern vergessen. Auch Kleopatra wusste, dass Eselsmilch schön macht und badete darin. Dasselbe gilt für Kakaobutter: statt die Schokolade zu essen, schminkt man sich heute damit. Der Duft macht attraktiv und nach erfolgter optischer Wirkung hat die süsse Kriegsbemalung eine erwünschte Nebenwirkung: man kann sich abschlecken lassen. «Mis Käthi schmöckt nach Schoggola», sang schon vor 50 Jahren ein Berner Troubadour.


(gb)

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